Neugier auf Geschichten aus einer dunklen deutschen Zeit

Abschlussklassen der BBS „Eike von Repgow“ recherchierten die Schicksale dreier NS-Opfer / Im September werden Stolpersteine verlegt

Von Elena Kuss, Volksstimme vom 05.05.2017

Stadtfeld-Ost l Ein weiteres Stück der NS-Geschichte wurde erstmals von einer Abschlussklasse der Berufsbildenden Schule Eike von Repgow aufgearbeitet: Die Schüler übergaben stolz die in einem Projekt erarbeiteten Gedenkmappen für Elsbeth Perlstein sowie Georg und Fritz Bernhardt an die Stadt. Die Magdeburger Jüdin Elsbeth Perlstein wurde von den Nationalsozialisten in den Osten deportiert und ist seitdem verschwunden. Der Kaufmann Georg Bernhardt starb in Theresienstadt aufgrund der dortigen unzumutbaren, ja sogar tödlichen Zustände.

Recherche im Stadtarchiv fordert die Schüler heraus

Über mehrere Monate hinweg suchten die Schüler der Abschlussklassen 14e und d im Stadtarchiv, der Magdeburger Bibliothek und im Internet nach Hinweisen zu den Schicksalen von Elsbeth Perlstein sowie Georg Bernhardt. Während der Suche stießen die Schüler auf die mit Bernhardt eng verwobene Geschichte seines Sohnes Fritz. https://digital.volksstimme.de/volksstimme/14241/ 1 von 2 12.07.2019, 09:38Von Neugierde gepackt, forschten die Schüler weiter. „Mir war gar nicht klar, wie schwierig es ist, etwas über eine Person aus der NSZeit herauszufinden“, erzählt Antonia Schüler. Die 20-jährige Magdeburgerin ist aber vor allem dankbar, dass es die Lager nicht mehr gibt. „Und auch nicht mehr geben darf“, ergänzt Elke Rühling, die betreuende Lehrkraft. „Dafür müssen wir alle kämpfen. Jeder von uns“, so die Pädagogin weiter. Waltraut Zachhuber von der Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Magdeburg“ und Susanne Schweidler, Leitung des Fachbereichs Kunst und Kultur der Stadtverwaltung Magdeburg, nahmen die Mappen dankbar entgegen und lobten die Schüler für ihr Engagement. Die gut recherchierten Dokumente sind Anlass für die Verlegung der Stolpersteine für Elsbeth Perlstein sowie Georg und Fritz Bernhardt, die am 11. September mit 24 weiteren Steinen unter anderem in der Behringstraße eingesetzt werden. Die genaue Uhrzeit wird noch bekanntgegeben. Die Schüler sind zufrieden mit dem Ergebnis - auch wenn sie das Projekt nicht ganz freiwillig begonnen haben. Im Abschlussjahr sollen die Auszubildenen zur Kauffrau für Büromanagement Praxiserfahrungen sammeln. „Die Schule hat schon einige Male mit der Arbeitsgruppe Stolpersteine gearbeitet. Das wollten wir vertiefen und haben das Projekt den Schülern vorgeschlagen“, erklärt Rühling. Die Ergebnisse der Recherche hielten die Schüler in den Gedenkmappen sowie auf den eigenständig formulierten Gedenkblättern fest. Diese werden nach der Verlegung der Stolpersteine auch frei zugänglich im Internet zu finden sein. Auszubildende finanzieren drei Stolpersteine Doch damit nicht genug: Die Steine aus Messing mussten auch finanziert werden. „Wir haben einen Kuchenbasar organisiert, der auch ziemlich gut lief“, erklärt die Schülerin Denise Walkhoff. Zusätzlich unterstützen Sponsoren ihre Auszubildenden mit einer Spende. „Kommen Sie zur Stolpersteinverlegung?“, fragt Schweidler die Schüler. Alle nicken. Sie wollen teilnehmen, auch wenn sie die Ausbildung dann bereits abgeschlossen haben werden. Schon in einer Woche schreiben die Schüler ihre Abschlussprüfung